Lagerhallen

Wir wollen weder in die Theorie, noch in die Geschichte gehen. Vereinfacht kann man sagen, eine Lagerhalle ist eine Halle, die der Lagerung von Gütern dient. Dabei kann es sich um Handels- oder eigene Verbrauchsgüter handeln.

Für eine Lagerhalle sind insbesondere folgende Kriterien wichtig: Lage, Größe, Beheizung, Erschließung.

Lage der Lagerhalle (im Bezug auf den Verarbeiter):

Eine Lagerhalle kann freistehend ohne periphere Gebäude sein, oder an einer anderen Nutzungseinheit angegliedert. Der erste Fall kommt z. B. bei Kommissionierungen vor: Es werden Güter von verschiedenen Quellen angeliefert, kommissioniert und wieder ausgeliefert, also ohne eine Zwischenverarbeitung. Diese Form der alleinigen Nutzung der Lagerhalle kommt insbesondere im Handel und bei Speditionen zum Tragen. In dem zweiten Fall, der angegliederten Lagerhalle, sind zwei Formen üblich: Die Lagerhalle ist an die Produktion des Herstellers angeschlossen und dient der Auslieferung an diverse Abnehmer, oder aber die Lagerhalle ist an die Produktion des Verarbeiters angeschlossen, es wird oft aus mehreren Quellen Waren angeliefert und vor der vor-Ort-Verarbeitung hier zwischengelagert. Auch in diesem Falle wird jedoch meist eine Auslieferungs-Lagerhalle für die verarbeiteten Güter benötigt.

Lagerhalle mit Attikadach

Größe der Lagerhalle:

Die Größe der Lagerhalle ist von dem Durchsatz, der Pufferung und nicht zuletzt von der Art der Lagerung abhängig. Grob kann man sagen, je größer der Durchsatz (zur Auslieferung oder von der Anlieferung) ist, desto größer muss die Lagerhalle sein. Sofern dieses Kriterium gleich ist, benötigt eine Lagerhalle mit einer mehrmaligen täglichen An- bzw. Auslieferung weniger Raum als eine Lagerhalle, die seltener logistisch angefahren wird und somit einen Puffer bilden muss.

In beiden Fällen sollte mit einer gewissen Reserve in der Größe der Lagerhalle gerechnet werden: Der Zulieferer oder der Abnehmer haben einen temporären Ausfall, die Speditionen streiken, ein Material ist nur periodisch zu beschaffen. Dann puffert diese Reserve ihrer Lagerhalle diesen Engpass ab.

In all diesen Fällen ist die Große (ferner die Form) von der Art der Lagerung abhängig. Wenn Güter nur z. B. in Paletten auf dem Boden gelagert werden, muss Ihre Lagerhalle flächenmäßig größer sein, als wenn Sie Regale oder sogar Hochregale nutzen. Die ebenerdige Nutzung der Lagerhalle kommt deshalb heutzutage fast nur bei schweren Gütern, Schuttgütern oder vergleichbaren Gütern zum Tragen, oder wenn der menschliche Zugriff ohne Technik (Stapler etc.) gewünscht ist.

Die Lagerung über 7,50 m ist ein Kapitel für sich: Die Lagerhalle wird nach der Hochregallager-Richtlinie behandelt, mit sämtlichen Maßnahmen, die Mehrkosten verursachen (automatische Löschanlage / Sprinkler). Zum Brandschutz kommen wir aber noch später im Text.

Beheizung und Dämmung der Lagerhalle

Je nach der Art der Güter, die in Ihrer Lagerhalle gelagert werden, muss diese temperiert oder sogar beheizt sein, oder sie kann unbeheizt bleiben. Für beide Formen der Beheizung Ihrer Lagerhalle ergeben sich Forderungen an die Wärmedämmung. Dies betrifft sowohl die bauliche Hülle (Dach und Wände) der Lagerhalle, als auch den Fußboden – diesen dann in dem Zusammenhang mit der Perimeterdämmung der Fundamente.

Die Forderungen an die Wärmedämmung Ihrer Lagerhalle sind von der Art der Energie (auch im Bezug auf erneuerbare Energien) durch die Wärmeschutzberechnung definiert, die objektbezogen von Fachleuten erstellt wird. Je höher die Anteile der erneuerbaren Energien, die Sie für Ihre Lagerhalle nutzen, desto geringer Forderungen an die Wärmedämmung der Lagerhalle. Hier empfehlen wir ein vernünftiges Augenmaß: Eine viel zu dicke Dämmung bringt kaum messbare Vorteile, kostet aber mehr. Und eine dünne Wärmedämmung hat oft nicht die statische Tragfähigkeit und benötigt somit zusätzliche Maßnahmen, die Kosten bei der Errichtung Ihrer Lagerhalle verursachen (z. B. eine dichtere Fassaden-Unterkonstruktion).

So könnte man glauben, eine unbeheizte Lagerhalle sei optimal. Es ist aber oft nicht so. Die Güter, die bei Frost in Ihrer Lagerhalle liegen, werden in beheizte Fertigungsbereiche gebracht – hier kommt es zu einer Kondenswasserbildung, die die Ware durch Feuchte beschädigen kann. Einige Güter – z. B. Flüssigkeiten, Lebensmittel, Farben – sind frostempfindlich. So bietet eine wärmegedämmte Lagerhalle mehr Flexibilität im Bezug auf die mögliche – auch zukünftige – Nutzung.

Und noch eines ist wichtig: In einer ungedämmten Lagerhalle ist die korrosionstechnische Beanspruchung der Baumaterialien höher. Deshalb sollte die Stahlkonstruktion feuerverzinkt sein, die Dacheindeckung in einer höheren Korrosionsschutzklasse ausgebildet, und entsprechende Maßnahmen gegen eine Kondenswasserbildung (Querlüftung, Antitropf-Vlies oder –Beschichtung) zum Einsatz kommen. Das relativiert sehr schnell die angedachten Einsparungen beim Errichten der Lagerhalle.

Für die Beheizung von Lagerhallen haben sich übrigens sehr gut Dunkelstrahlheizer bewehrt.

Logistische Erschließung einer Lagerhalle

Eine Lagerhalle alleine ist zwar schön, aber zu nichts zu gebrauchen. Es wird Logistik benötigt. Die zu lagernden Güter müssen in die Lagerhalle reinkommen und diese wieder verlassen können, und das möglichst schnell und kostengünstig. Das ist die Einbindung an das Straßennetz und die interne Logistik auf dem Grundstück an der Lagerhalle.

Für einen kleinen Händler reicht es, wenn die Dorf-Hauptstraße in der Nähe seiner Lagerhalle liegt. Für ein Großunternehmen oder einen Logistiker sind schon europaweite Autobahn-Anbindungen, Häfen oder Flughäfen von Bedeutung. Diesen Punkt müssen Sie selbst beurteilen.

Die interne Logistik auf dem Grundstück vor der Lagerhalle, also die Außenanlagen, ist genauso wichtig. Welche Transportfahrzeuge kommen?  Wie groß? Wie oft am Tag? Können sie alle bedient werden, oder müssen sie warten? Oder behindern sie sich sogar gegenseitig? Benötigt Ihre Lagerhalle Andockstationen (Loadinghouse o. ä.), ebenerdige Rampen, Unterfahrrampen, Verladebrücken oder –bühnen? Wie viele Zufahrten / Zauntore stehen mir zur Verfügung? Auch hier sollte ein Objektplaner neben dem Logistiker und dem Hallenbauer eng eingebunden werden, wenn Ihre Lagerhalle geplant wird.

Übrigens: Vordächer über den Toren der Lagerhalle kosten zwar etwas, schützen aber auch. Denn wenn es auf die Waren regnet oder schneit, ist das meist schädlich. Und der winterliche Matsch im Torbereich in der Lagerhalle erhöht dauerhaft die Unfallgefahr - und die Reinigungskosten.

Lagerhalle mit Vordach

Form und Bauweise der Lagerhalle

Die Lagerhalle dient zur Lagerung, sie sollte Geld verdienen und nicht Ihr Geld verbrauchen. Je einfacher der Baukörper, desto günstiger. Vereinfacht gesagt: Ein Schuhkarton kostet weniger als ein Schlösschen. Und ist zeitloser. Wenn Sie Ihre Lagerhalle bauen, ist die viereckige Form die günstigste. Wenig Dach- und Wandanschlüsse (Dichtigkeit, Wärmebrücken), wenig Dachversprünge (Zusatzlasten aus der Schneeanhäufung).

Als Tragwerk einer Lagerhalle bietet sich Stahl am besten an – flexibel, leicht, erweiterbar … Siehe hierzu Bauen mit Stahl.

Die Fassade wird bei Lagerhallen bevorzugt mit sogenannten Sandwichelementen ausgebildet – vorgefertigte Platten, innen und außen mit einer verzinkten und beschichteten Stahlblech-Schale, dazwischen ein Dämmkern aus Polyurethan. Übliche 10 cm Dicke bringen ungefähr die Wärmedämmung einer 80 cm Porenbeton-Wand. Und mehr braucht Ihre Lagerhalle doch nicht, oder?

Ein großes Fragezeichen kommt für viele bei dem Dach – welche Ausbildung ist die für meine Lagerhalle die beste? Unserer Meinung nach ist die Antwort eindeutig: Ein Industriedach – so, wie es auch die „Großen“ bauen (Baumärkte, Supermärkte etc.). Der Aufbau, von unten nach oben: Auf die Dachriegel der Lagerhalle werden hohe stabile Stahl-Trapezprofile als Tragschale befestigt. Auf diese kommt die Dampfsperre – sie verhindert das Durchdringen von Wasserdämpfen in die kalten Bereiche des Dachaufbaus. Bei einer Lagerhalle sind aber die Anforderungen recht gering. Dann kommt die Wärmedämmung: EPS (Styropor), PU (Polyurethan) oder druckbelastbare Mineralfaser-Dämmplatten, sofern brandschutztechnisch erforderlich (meist erst ab 2.500 qm). Die äußere Haut des Daches der Lagerhalle bildet dann die hochwertige Abdichtung. Homogen verschweißte Dichtungsbahnen, meist aus PVC-P, hochwertiger mit FPO (flexible Polyolefine). Für die Abdichtung werden auch Herstellergarantien von bis zu 10 – 15 Jahren auf Wunsch geleistet. Die wichtigsten Vorteile gegenüber Sandwich im Dach Ihrer Lagerhalle finden Sie hier.

Brandschutz einer Lagerhalle

Sofern in Ihrer Lagerhalle keine brennbaren Stoffe in größeren Mengen gelagert werden, und die Oberkante Lagergut unterhalb von +7,5 m liegt, gilt für diesen Sonderbau die Industriebaurichtlinie (IndBauRL). Die besagt (vereinfacht!):

Lagerhalle bis 1.800 qm liegt in der Kategorie K-1. Tragwerk ohne Brandschutzanforderungen, Anforderung an Rauch- und Wärmeabzüge und Zuluftöffnungen. Generell (bei allen Kategorien) Anforderungen an Fluchtwege.

Lagerhalle über 1.800 qm, aber kleiner als 2.700 qm liegt in der Kategorie K-2. Anforderungen wie in der K-1, zusätzlich eine Brandmeldeanlage. Es ist zu beachten, dass ab 2.500 qm die Anforderungen an die Dachausbildung verschärft werden (nichtbrennbare Wärmedämmung etc.).

Lagerhalle über 2.700 qm bis 10.000 qm: Kategorie K-4. Rauchabzüge und Fluchtwege wie vor. Anforderungen an Wärmeabzüge nicht mehr wie oben. Dazu aber eine automatische Löschanlage – Sprinkler. Diese ist in der Anschaffung und Wartung entsprechend kostenintensiv.

Größere Lagerhallen kann man entweder durch Brandwände in kleinere Brandabschnitte teilen, oder mit einem gewissen Abstand (meist 5 m) zueinander errichten und logistisch verbinden – hierzu beraten wir Sie gern. Dies spart nicht nur Kosten der Brandwand, sondern die Lagerhallen bilden für sich getrennt nutzbare Einheiten.

Bei Lagerhallen mit wenig brennbaren oder nichtbrennbaren Gütern lohnt meist ein Brandschutzgutachten. Dadurch können auch größere Lagerhallen mit geringeren Anforderungen mathematisch durch einen Sachverständigen nachgewiesen werden.  

Nicht nur die automatische Löschanlage der Lagerhalle, sondern auch die Brandmeldeanlagen, Rauchabzüge und Zuluftöffnungen (i.d.R. Tore) müssen in regelmäßigen Abständen (i.d.R. jährlich) durch Sachkundige gewartet werden. Bei Nichtbeachtung droht der Entzug der Nutzungserlaubnis.

Weitere wichtige Punkte zu Lagerhallen

  • Versorgung mit Medien: Strom, Wasser, Abwasser, EDV, …
  • Meisterbüro, Personal: Ebenerdig oder als Bühne / Empore / Einbau, ausgebildet als ein Teil des Tragwerkes Ihrer Lagerhalle, oder eingesetzt als modulare Bauweise.
  • Beleuchtung: Meist Leuchtstoffrohre, in der letzten Zeit LED-Technik.
  • Lüftung: Über Lüftungsklappen in den Oberlichtern oder als eine gezwungene Lüftung über Propeller.
  • Beheizung: Meist über Deckenstrahler / Dunkelstrahler.

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